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Von Andrea Paluch

John Christopher Middleton, geboren am 10.6. 1926 in Truro, Cornwall, England. Sein Vater war Musiker und Professor an der Universität von Camebridge. Middleton besuchte die Felsted School (Essex) und diente 1944-1948 bei der Roayl Air Force. Während seiner Zeit in der Armee erschienen 1944 und 1945 seine ersten beiden Gedichtbände. Nach dem Militärdienst begann er ein Studium der Fächer Deutsch und Französisch am Merton College der Universität Oxford, das er 1951 mit dem B.A. und 1954 mit dem D.Phil. abschloß. Während seiner Promotion war er 1952-1955 Dozent für Englisch an der Universität Zürich und arbeitete anschließend elf Jahre lang als Dozent für Deutsch am King's College der Universität London. Seit 1966 ist er Professor für Germanische Sprachen und Literatur an der Universität von Texas in Austin, USA, wo er auch heute noch lebt. Aus seiner Ehe mit Mary Freer, die 1953 geschlossen und 1969 geschieden wurde, gingen drei Kinder hervor.
Auszeichnungen: Sir Geoffrey Faber Memorial Prize für "Torse 3: Poems, 1949-1961" (1964); Guggenheim Fellowship (1974); DAAD Künstlerprogramm Fellowship, Berlin (1975, 1978); National Endowment for the Arts Fellowship (1980).
Christopher Middleton nimmt in der britischen Lyrik nach dem Zweiten Weltkrieg einen besonderen Platz ein. In der Lyrikszene Großbritanniens, die in den frühen sechsziger Jahren von Vorurteilen gegen die Tradition der Moderne und von der Konzentration auf den Realismus des "Movement" geprägt war, geriet Middleton in eine Außenseiterposition. Er entwickelte in seiner Lyrik Techniken, die für eine Entfremdung des Lesers vom rezipierten Gegenstand sorgten und wendete sich damit gegen das "Movement", das eine Technik bevorzugte, die auf gemeinsame Erfahrungen von Leser und Dichter abzielt. Middleton dagegen bestehnt auf einen reflexiven Abstand. Für ihn ist Lyrik auch das Medium für schwierige philosophische Fragen. Seine Gedichte sind dementsprechend gekennzeichnet durch neue, experimentelle Formen und intellektuelle Strenge. Wie bei kaum einem anderen Dichter seiner Generation sind seine Texte von einem tiefen humanistischen Ethos durchdrungen. Als Lyriker wie als Übersetzer ist Middleton der Chronist der Katastrophen des 20. Jahrhunderts - angesichts derer er jedoch nicht im Fatalistischen verstummt.
Eine Stärke von Middletons Gedichten rührt aus der durch seine akademische Arbeit bedingten Fähigkeit, Literatur auch abstrakt-wissenschaftlich wahrzunehmen. So bieten vor allem seine Artikel und Essays einen guten Ansatzpunkt, um Middletons Platz in der englischen Literaturszene genauer zu bestimmen.
In einem Interview mit "The London Magazin" 1964 beschrieb er den eigenen Standpunkt in Abgrenzung vom britischen Mainstream. Er kritisierte seine englischen Zeitgenossen für ihre poetologische Engstirnigkeit, durch die sie sich um den Anschluß an das große Erbe der europäischen literarischen Moderne brächten. Middleton stellt sich hingegen explizit in die Tradition der Moderne, unterzieht sie jedoch einer kritischen Prüfung. Er versteht sie gleichermaßen als Herausforderung und Verpflichtung. In ihr verbinde sich, so seine Einschätzung, eine stark ausgeprägte Aufmerksamkeit für die Bedingungen und Mechanismen sozialer Umwälzungen mit einem Geschichtsverständnis, nach dem alle Hoffnung auf eine selbstregulierende und heilsbringende Transzendenz unwiederbringlich verloren sei. Angesichts des Fatalismus der Geschichte seien es demnach die Menschen selbst, die sich den Anforderungen der Zeit zu stellen hätten. Literaturgeschichtlich kulminiert dieses Bewußtsein in der ständigen und radikalen Erneuerung der Schreibtechniken, mit denen Middleton arbeitet.
In seinem Schreiben und in seiner Arbeit als Übersetzer (hauptsächlich aus dem Deutschen, aber auch aus dem Französischen) versucht Middleton, die Tradition der literarischen Moderne aufrechtzuerhalten und fortzuführen. Sein Anliegen ist es, deutlich zu machen, daß das Individuelle von dem allgemeinen Geschehen abhängig ist und nicht unabhängig von den sozio-geschichtlichen Kontexten verstanden werden kann. Middletons "katastrophische Geschichtsauffassung" beschwört in seinen Gedichten unaufhörlich Situationen herauf, in denen persönliche und soziale Krisen ineinandergreifen. So wird der Pastor in "The Arrest of Pastor Paul Schneider" (Die Verhaftung des Pastors Paul Schneider, in: "Our Flowers & Nice Bones, 1969) kafkaresk durch seine tatsächliche Verhaftung unfreiwillig aus einem Alptraum von seiner Verhaftung gezerrt. In dem Gedicht "January 1919" (Januar 1919, in: "Nonsequences: Selfpoems", 1966) wird der "durchlöcherte Kopf" des ermordeten Revolutionärs Karl Liebknecht "blutend auf einem Haufen progressiver Zeitschriften" ausgestellt. Das Gedicht "The Historian" (Der Historiker, in: "Our Flowers & Nice Bones) beschreibt Prokopios, den offiziellen Historiker des römischen Kaisers Justinian, und dessen Entführung direkt vom Schreibtisch weg, an dem er gerade einen geheimen Bericht über das tyrannische Regime schreibt. Dies geschieht genau in dem Moment, als Prokopios realisiert, daß die einzig glaubwürdige Opposition in Taten und nicht in Worten liegt. Der abgebrochene Satz, mit dem das Gedicht endet, enthüllt die Zerbrechlichkeit des Menschen inmitten einer unkontrollierbaren Geschichte, in der der Zeuge potentiell immer das Opfer ist: "Der Gedanke läßt mich nicht los, ich hätte vielleicht, anstatt zu schreiben, etwas ändern". Viele von Middletons Gedichten machen Hitlers und Stalins Todeslager zu universellen Symbolen des 20. Jahrhunderts, in dem der Mensch aus seinem alltäglichen Leben entwurzelt und ihm der Alptraum von Deportation und Massaker aufgezwungen wird. Doch Terror lauert nicht nur in den großen Ereignissen der offiziellen Geschichte. Middletons Gedichte entlarven die drohende Gewalt in alltäglicheren, trivialen Situationen. Ein Paar vergessene Handschuhe auf dem Boden einer öffentlichen Toilette kann eine schreckliche Vorstellung von verschwundenen Menschen auslösen ("The Gloves", Die Handschuhe, in: "The Lonely Suppers of W. V. Balloon", 1975).
Middletons Gedichte rufen, so seine eigenen Worte, "einen lebhaften Eindruck davon" hervor, "wie es ist, in einer Gesellschaft zu leben, in der die Lenkung des Lebens in die Hände feindseliger und ignoranter Funktionäre gefallen ist, in der alle menschlichen Werte von unmenschlicher Organisation bedroht zu sein scheinen" (Interview mit Ian Hamilton, in: The London Magazine, 4. 1964. H. 8.). Gedichte wie "Octobers" (Oktober, in: "Nonsequences: Selfpoems") und "Autobiography" (Autobiographie, in: "The Lonely Suppers of W. V. Balloon") belegen, wie diese Bedrohung sich in die idyllischsten und privatesten Erfahrungen einschleicht. Für Middleton stehen Geschichte und Gegenwart in einer komplexen Wechselbeziehung. Danach ist die Geschichte nicht einfach die Beschreibung der Vergangenheit, vielmehr beweist die Vielfältigkeit des Lebens ihre Gegenwart. Die Gegenwart andererseits läßt sich nicht aus einer determinierenden Vorzeit ableiten. Sie setzt sich aus "The little significant things" (Den kleinen bedeutsamen Dingen) zusammen, deren Enträtselung die Aufgabe des Dichters ist ("Glaucus", Glaucus, in: "Torse 3: Poems 1949-1961", 1962). Diese Aufgabe beinhaltet nach Middleton sowohl Versprechen als auch Bedrohung, Erneuerung genauso wie Destruktion. Besonders deutlich wird diese Ambivalenz, wenn seine Gedichte von Kindern handeln. Für diese nämlich ist die geschichtsreiche Zukunft immer offen, auch wenn sie wieder und wieder durch Grauen und Verbrechen versperrt und unerreichbar erscheint, wie für "Fania, ten/ at the turn of the century" (Fania, zehn, an der Jahrhundertwende) in "The Pogroms in Sebastopol" (Die Pogrome von Sebastopol, in: The Lonely Suppers of W. V. Balloon"), oder für "Pavels Kind", das "in meinen Händen auseinanderfiel", ausgegraben aus dem Schnee der Lager ("Pavlovic Variations", Pavlovsche Variationen, in: "Our Flowers & Nice Bones"), oder für jene vietnamesischen Kinder in "Mérindol Interior" (Mérindol Interior, in: "The Lonely Suppers of W. V. Balloon"), die Opfer der Napalmbomben wurden und deren fotografierte Qual die bequem eingerichtete Mittelstandswelt des fiktiven bürgerlichen Dichters stört.
Nach Middleton muß Kunst sich mit den existentiellen Nöten der Menschheit auseinandersetzen, die sich mit einem geschichtlichen Chaos konfrontiert sieht, das die Menschen selbst herbei geführt haben. Die äußerlichen Lebensumstände werden auf diese Weise zur Metapher für die innere Zerrissenheit der Menschen. Die metaphorische Sprache der Dichtung wiederum wird zur Stifterin einer neuen Ganzheit und ihrer utopischen Valenz.
Middleton versucht, der Sinnlosigkeit der Welt durch seine Sprachstrukturen Bedeutung abzutrotzen ("The World First", Die Welt zuerst, "A Small Bronze of Licinius I", Eine kleine Bronze des Licinius I, beide in: "Carminalenia", 1980). Aber alle Pathetik liegt Middleton fern. Seine Sprache ist nüchtern und streng, geprägt durch Sarkasmus, Spott und das Fehlen von falschem Kolorit und Sentimentalität. Gleichzeitig partizipieren seine Gedichte leidenschaftlich und engagiert am Geschehen in der Welt - "odd as it is to care anyhow for things/ their mass & contour/ & all beginnings" (merkwürdig wie es irgendwie ist, sich für Dinge zu interessieren/ ihre Masse und Kontur/ und alle Anfänge). Seine Welt ist substantiell, doch seltsam abstrakt, mit Figuren bestückt, und doch nicht personalisiert. Oft blendet er ein explizites lyrisches Ich aus, und selbst wenn er ein lyrisches Ich benutzt, liegt die Aufmerksamkeit des Lesers auf der Umwelt und nicht auf der subjektiven Innerlichkeit des Sprechers. Diese Distanz zum Subjektiven wird durch eine besondere Technik erzeugt. Es ist die Schreibhaltung, die Middleton in Anknüpfung an den russischen Formalisten Viktor Shklovsky "defamiliarization" (Unvertrautmachung, Entfremdung) nennt. Die Trennungen, Verwirrungen und unerwarteten Anordnungen in Middletons Sprache und ihre experimentelle Mannigfaltigkeit schaffen die Grundlage für Middletons "defining of enigmas" (Definieren von Rätseln). Er benutzt die Undurchsichtigkeit der Sprache, indem er zwischen Unverständlichkeit und Deutlichkeit wechselt, um den Blick auf gewohnte Dinge und Ereignisse zu richten, als sei es das erste Mal. Das Definieren von Rätseln, das zum kreativen und mündigen Leser erzieht, ist für ihn Aufgabe und Beruf des Poeten. Jedes neue Gedicht von Middleton ist eine neue Erkundung der linguistischen Möglichkeiten, bei der das Gedicht zugleich den Prozeß als auch das Endprodukt dieser Erkundung darstellt. Die Merkmale des kreativen Schreibprozesses gehen etwa als Wiederholung der Nebeneinanderstellung von Wörtern und Phrasen sowie als unzugängliche semantische Verdichtungen oder als fehlende syntaktische Verbindungen in die Gedichte ein.

Ein Karren voller Äpfel

Im blauen Schatten
allein mit seiner Rose
und voll von Feldern
runden und gelben
steht ein Apfel

ein blauer Apfel steht
im Feld von Gelb
allein mit seinem Karren
und seiner Rundung von Rosen
vollen und schattigen

und voll von Gelb
steht der Schatten
allein mit einem Apfel
einem rosigen runden
in einem blauen Feld

und in den Apfelschatten
blauen und gelben
steht ein Karren
allein mit seinem Feld
und voll Rundungen

aber im Feld von Rosen
und voll von Äpfeln
gelben und runden
steht ein blauer Karren
allein mit seinem Schatten

(in: "Wie wir Großmutter zum Markt bringen", 1970).

Betont sprachspielerisch ist auch "Computer's Karl Marx" (Computers Karl Marx, in: "Our Flowers & Nice Bones"), das mit einem Witz beginnt (eine Geschichte der Revolution von einem Computer geschrieben, der nur die Buchstaben des Begriffes "production relations" (Produktionsbeziehungen) kombinieren kann), um dann mit großer Eindringlichkeit zu zeigen, daß die Grenzen der Sprache zugleich die Grenzen der Welt sind. Middletons Sinn für das Groteske hat seine Wurzeln im Dadaismus und Surrealismus. Gepaart mit einer Ernsthaftigkeit, die die Tendenz zur Komik verhindert, ist dieses europäische Erbe Teil seiner Dichtung.

Aus: Wie wir Großmutter zum Markt bringen

Jeden Freitag haben wir die Aufgabe, Großmutter zum Markt zu bringen. Während der letzten fünf Monate haben wir sie wenigstens jeden Freitag dorthin gebracht; und augenblicklich sieht es so aus, als werden wir diese Aufgabe noch einige Zeit verrichten müssen.[...] Nachdem sie den Rollstuhl verlassen hat, stolpert sie, gestützt von meiner Schwester und mir, zur Bude hin, wo die alten Menschen verkauft werden. Wir helfen ihr empor, und setzen sie in ihren gewohnten Sessel. [...] Alles in allem verbringt meine Großmutter den Freitag in einem Zustand mädchenhafter Aufregung. Und warum nicht. Der Freitag ist ihr Gesellschaftstag.

(in: "Wie wir Großmutter zum Markt bringen", 1970).

Theoretisch bieten Middeltons Gedichte dem Leser die Möglichkeit, die imaginativen Expeditionen in neue Regionen der Sprache zu teilen. Praktisch jedoch gestaltet sich dies weit weniger zwangsläufig und einfach. In den Augen der Kritiker galt Middeltons Lyrik lange als zu anspielungsreich, gelehrt, und unverständlich. Im Gegensatz zum britischen Mainstream sind Middletons Gedichte, Geschichten, Übersetzungen und Essays eine permanente Weigerung, dem literar-ästhetischen Status quo zu genügen. Was etabliert ist, hat keine literarische Potenz mehr. Etablierte Regeln müssen mißachtet, ja gebrochen werden, um die Wachheit und Aufgeschlossenheit für das Neue lebendig zu erhalten.
Auf dem Schutzumschlag seines Gedichtbandes "The Lonely Suppers of W. V. Balloon" (Die einsamen Mahle des W. V. Balloon) schreibt Middleton: "Das schlichteste Vorbild für solche Gedichte ist nicht die linguistische ‘Feststellung', sondern die Frage." Und tatsächlich ist seine gesamte Lyrik fragend, spöttisch, Realität bezweifelnd mit einem skeptischen und scharf beobachtenden Auge. Sie erinnert fortwährend daran, daß Sprache keine neutrale Trägerin von Bedeutungen ist, sondern Bewertungen enthält und Positionen bezieht, die alles Sehen immer bereits vorprägt. Diese Auffassung ist das Fundament für die große Bandbreite von Middletons lyrischen Experimenten mit der Sprache, mit denen seine Rezensenten sich lange Zeit so schwer taten und die heute Middletons Ruf als einer der profiliertesten Dichter im Nachkriegsengland begründen.
Das Übersetzen ist ein wichtiger Bestandteil für Middletons literarische Arbeit, weil sich durch die Arbeit mit einer anderen Sprache viel über neue kreative Möglichkeiten in der eigenen Sprache lernen läßt. Middletons Übersetzungsarbeit folgt dem strengen Ethos, daß der Übersetzer die philologischen Details des originalen Textes kennen und nachahmen sollte. In den fünfziger und sechziger Jahren übersetzte Middelton sowohl Lyrik als auch Dramen und Prosa aus dem Deutschen, z.B. von Robert Walser, Hugo von Hofmansthal, Gottfried Benn und Günter Grass. Die Auseinandersetzung mit diesen deutschen Autoren beeinflußte seine Gedichtsammlung, "Torse 3: Poems 1949-1961" (Torso 3: Gedichte 1949-1961), die 1962 erschien. Der Titel des Buches bezieht sich auf die dritte Definition des Wortes "torse" aus dem Oxford English Dictionary: "Torse3 [f. med. L. torsus, -um, for L. tortus twisted.] Geom. A developable surface; a surface generated by a moving straight line which at every instant is turning, in some plane or other through it, about some point or other in its length." (Eine entwickelbare Fläche; eine Fläche, die von einer sich bewegenden Geraden hervorgebracht wird, die in jedem Moment ihre Richtung wechselt, in einer Ebene oder durch sie hindurch, an irgendeinem Punkt ihrer Länge.) Dieser Buchtitel bringt Middletons Auffassung von Lyrik auf den Punkt. Er legt es nahe, Lyrik als ein kontinuierliches Handwerk zu verstehen, als ein sich ständig verändernder Prozeß ursprünglicher Entdeckungen.
Die Gedichte aus "Torse 3" entstanden in den Jahren 1949-1961 und variieren stark in Stil und Sprachhaltung. In einigen von ihnen spiegelt sich der Einfluß der Dichter der Moderne, die in den fünfziger Jahren aus der Mode gekommen waren, wider (wie etwa T. S. Eliot in "Five Psalms of Common Man", Fünf Psalme eines gewöhnlichen Menschen). Anderen Gedichten der Sammlung haben Dylan Thomas und die "New Apocalypse Group" ihren Stempel aufgedrückt (z.B. "Male Torso", Männlicher Torso). Die stilistische Vielfalt wurde von den Kritikern indes nicht als das erkannt, was sie ist: Aufarbeitung der Tradition und Arbeit daran als Dienst an der Gegenwart. Middelton wurde Unreife und das Fehlen einer ausgearbeiteten Ästhetik vorgeworfen. Gerade aber durch die souveräne Gleichgültigkeit gegenüber dem damals in England herrschenden Geschmack ist "Torse 3" als erste wichtige Gedichtsammlung Middeltons hervorzuheben. Ihre Vielfalt ist gleichzeitig ihre Eigenständigkeit. Die Bandbreite der Experimente ist das Maß für Middletons poetische Suche nach einer der Aufgabe des Dichters angemessenen Ausdrucksform.
Während der sechziger Jahre schrieb Middleton Essays, die die verschiedenen Extreme der ästhetischen Avantgarde untersuchen, besonders den Dadaismus. In den Studien, die 1978 unter dem Titel "Bolshevism in Art and Other Expository Writings" (Bolschewismus und Kunst und andere kommentierende Schriften) veröffentlicht wurden, versucht Middleton, den Anarcho-Nihilismus des Dadaismus gegenüber alternativen Extremen in Kunst und Politik des 20. Jahrhunderts zu profilieren. Vor allem Dada besitzt für Middleton eine besondere Attraktivität, weil er nicht versucht, irgendeine Art Gedankensystem zu errichten, das den menschlichen Geist in seiner Freiheit einzuschränken versucht. Die essentielle Funktion, die Middleton auf diese Weise der irrationalen Spontaneität des sprachlichen Ausdrucks als eine Garantie menschlicher Freiheit bescheinigt, findet ihre praktisch-poetische Entsprechung in den in der Nachfolge von "Torse 3" erscheinenden Gedichtbänden: "Nonsequences: Selfpoems" (Nonsequenzen: Selbstgedichte), "Our Flowers & Nice Bones" (Unsere Blumen und schönen Knochen), "The Fossil Fish" (Das Fischfossil, 1970) und "Briefcase History" (Aktentaschen-Geschichte, 1972) sowie in den gesammelten Gedichten "The Lonely Suppers of W. V. Balloon" und den poetischen Prosastücken "Pataxanadu and Other Prose" (Pataxanadu und andere Prosa, 1977).
Wie für den Dadaismus ist für Middleton das zentrale Moment der Versuch, angesichts des Wirrwarrs der Welt ohne gegebene oder traditionelle Werte auszukommen. Existentielle Freiheit zieht die Abwesenheit verallgemeinernder Verhaltensmuster oder aller glatten Ideale individuellen oder gemeinschaftlichen Lebens nach sich. Middletons kunsttheoretisches Verständnis ist damit zwischen zwei extreme Pole gespannt. Kunst soll einerseits eine bedeutungsvolle geistige Tätigkeit und andererseits teil-irrationaler Zufall sein, ein Spiel gegen kosmische Bedeutungslosigkeit genauso wie eine Platzhalterin für Freiheit von einem von traditionellen Werten verstellten Sinn. Middleton versöhnt diese Gegensätze in der Praxis seiner Gedichte dialektisch. Auch diejenigen Texte, die in einer offenen Form gearbeitet sind, sind keine Anti-Kunst im Sinne eines reinen Dadaismus, sondern souverän und elegant gearbeitete Konstruktionen oder Rekonstruktionen von Sprache und Ausdruck und insofern eher Zeugen von Middletons Unversöhnlichkeit mit jeder Form vorschneller Harmonisierung.
"Nonsequences: Selfpoems wird dominiert von einer größeren Einheitlichkeit und Klarheit gegenüber der formals experimentellen Pluralität. Der Geist der modischen Neo-Moderne, der in den sechzigern und frühen siebzigern Jahren viele konkrete und phonische Gedichte hervorgebracht hatte, ist zwar auch hier anzutreffen (z.B. in dem V-förmigen Gedicht "Birth of Venus" (Geburt der Venus), das völlig aus V's zusammengesetzt ist), er ist jedoch nur eine von vielen Möglichkeiten, das Sprachmaterial zu formen, die Middleton in "Nonsequences: Selfpoems" heranzieht. Insofern ist "Nonsequences" eher eine Erweiterung der poetischen Palette Middletons als schlichtes Zeitgeistgefolge. Einige der Gedichte in diesem Band spielen auf einem traumähnlichen Resonanzboden und evozieren surrealistische Bilder ("House in the Street of Doves", Haus in der Straße der Tauben, "Old Bottles", Alte Flaschen), andere beziehen ihre Kraft aus der Fusion entgegengesetzter Erfahrungen (Die Tarantel aufgestört, "Cabal of Cat and Mouse", Kabale zwischen Katz und Maus, Generationen). Wie in "Tores 3" versucht Middleton jedoch auch hier, jede Art der kunstgenießerischen Selbstzufriedenheit auf Seiten des Lesers zu unterbrechen und sorglose Gemütszustände zu verhindern.

Die Tarantel aufgestört

Die Tür ein wirres
Schattengekräusel, Pfirsichblätter
ädern die Holzfarbe,

und zerbrochenes Spinnweb
atmet ach ach,
da sie sich öffnet ---

zwei Hände
an einer Leiter schüttelten
die Tarantel wach, sie glitt

schwarz und zischend auf
eine Sprosse über Augenhöhe,
Klappmesser-Knie

eines Hochspringers, grinsender
Fledermausmund geschlitzt
in den Pelzbauch ---
hilfreich: Pfirsiche
wachsen draußen immerfort
runder und runder

an Zweigen, niedergwölbt
von ihrem Gewicht über
gerösteten Grashalmen; auch

Sonne und Mond
entstehen um diese Berge-
terrasse, die sich jetzt runzelt

mit tödlichem grünen
Gefühl: alle Dinge
sind hier, du ungeheure verkrümmte

Rose (laß niemanden sich
hereinwagen), tönend durch
unsere Höhlung, hör ich sie.

(in: "Wie wir Großmutter zum Markt bringen", 1970).

"Our Flowers & Nice Bones" ist inhaltlich wie stilistisch durchdrungen von den Phänomenen des Zusammenbruchs, des Niedergangs und Verfalls. "The Fossil Fish", eine Sequenz von fünfzehn "Mikrogedichten" dagegen eröffnet eine neue Seite der Lyrik Middletons. Die Gedichte sind in einer seltenen, scheinbar völlig entspannten Stimmung gehalten. Der erste Text arbeitet mit semantischen Verschiebungen, ein anderes verbindet die Gegensätze kalter Geometrie und warmer Schönheit. Der Ausgleich von polaren Oppositionen bleibt also auch hier Bestandteil von Middeltons Schreiben. "The Fossil Fish" erschien erneut in der Sammlung "The Lonely Suppers of W. V. Balloon", dem ersten Buch, das seitens der britischen Kritik mehr Aufmerksamkeit erhielt als nur vage und zumeist negative Zurkenntnisnahme. Die Gedichte von "The Lonely Suppers of W. V. Balloon" thematisieren viele verschiedene Länder, Zeiten und Stimmungen, und halten formal durchweg ein hohes Niveau strenger Sprachformung. Den bisherigen Gebrauch der Montage ("Chanel Always Now", Chanel immer jetzt), des Surrealismus ("Nine Biplanes", Neun Doppeldecker) und der semantischen Verschiebung (Das Fischfossil) überbietet Middleton hier stilistisch, indem er gegensätzlichen Erfahrungen noch einmal gesteigerten Ausdruck gibt ("Opoponax", Opoponax). Aber es gibt auch Gedichte mit einem direkten oder persönlicheren emotionalen Zugang ("Old Woman at the County Dump", Alte Frau auf der Bezirks-Müllkippe, Die Pogrome von Sebastopol, Autobiographie). Einige der Gedichte sind Versionen oder Imitationen von Gedichten aus anderen Sprachen. So ist etwa "Mandelstam to Gumilev 1920" (Mandelstam an Gumilev 1920) eine freie Übersetzung der deutschen Nachdichtung eines Mandelstam-Gedichtes von Paul Celan.
Middletons folgende Publikation "Pataxanadu and Other Prose" ist eine außergewöhnliche Zusammenstellung minimalistischer poetischer Prosa mit einer verblüffenden Varietät an Stilen und Stimmungen. Der Text mit dem Titel "Pataxanadu" besteht aus fünf kurzen Stücken, in denen eine Methode angewandt wird, mit der Raymond Queneau einige klassische französisch Texte umgeformt hat. Dabei wird die Syntax des originalen Textes beibehalten, während die Wörter anhand eines großen Lexikons durch die vorhergehenden oder folgenden Eintragungen ersetzt werden. Ziel dieser lexikalischen Ersetzung ist es, ein Bewußtsein dafür zu schaffen, daß es Spracheigenschaften jenseits der Vernunft gibt. Middleton sucht sich für die Anwendung dieser Methode Originaltexte aus, die mit Reisen zu tun haben. Die bearbeiteten Autoren sind Thomas Malory, Hermann Melville, Rabelais (Urquart), Charles Doughty und Jonathan Swift. Bestimmte Themen und Problemfelder werden entfaltet, um dann bald wieder zurückgenommen zu werden, wie etwa Linguistik, Religion, Physik, Spionage, Politik, Tourismus und Liebe. Der Titel "Pataxanadu" stellt in Anlehnung an Coleridges Xanadu in dem Gedicht "Kubla Khan" (1798) ein Reiseziel in der Einbildungskraft, ein imaginäres Ziel für abgebrochene, verschobene oder verhinderte Reisen dar. Außergewöhnlich ist, daß einige der Stücke zuerst in Deutschland und auf deutsch erschienen. Middleton hat sie selbst zusammen mit Ernst Jandl und Günther Kunert übersetzt ("Wie wir Großmutter zum Markz bringen", 1970). "The Great Duck" (Die große Ente) und "Der Taschenelefant" sind politische Satiren, die Middletons tiefen Haß gegen alle Formen von Diktatur und repressiver Doktrin bissigen Ausdruck geben. Groteske und ein bizarrer Witz machen "Pataxanadu and Other Prose" zu einem zugleich verwegenen und erfindungsreichen Band.
Gegenüber "Pataxanadu" und "The Lonely Suppers of W. V. Balloon" ist "Carminalenia" (Carminalenia, 1980) eine zurückhaltendere Sammlung. Middleton gibt darin sein neo-dadaistisches Experimentieren und damit einen Teil seines rauhen Humors auf. Das ist wohl auch der Grund dafür, daß der Band uneingeschränkt gute Kritiken erntete. Middleton wird dafür gelobt, das unspektakuläre Verhältnis von praktischer Realität und theoretischem Diskurs derartig poetisch zu fassen, daß Begriffe ihr Bedeutungspotential vergrößern und zum Resonanzboden für implizite Welten werden. Die Technik, durch Buchstabenversetzung neue Worte zu bilden (Anagramme), macht ein weiteres Mal die großen Variationsmöglichkeiten der Sprache deutlich. Dabei ist nicht nur das Medium, sondern auch das Thema der Gedichte die Sprache, die auf diese Weise eine zweideutige Referenzleistung erbringen kann. Wie um diese immer mitzulesende Selbstbezüglichkeit zu verdeutlichen, ist in vielen Gedichten nicht nur die Begrifflichkeit zweideutig, auch eine stringente Syntax wird unterdrückt. Die Gedichte dieses Bandes legen sowohl Zeugnis von Middletons hoher Virtuosität ab, die er in diesem Fall durch eine symbolische Verdichtung erreicht, als auch von der strengeren Kontrolle, die er seiner Kunst auferlegt.
"111 Poems" (111 Gedichte, 1983) - eine Auswahl aus den fünf Büchern, die Middleton zwischen 1962 und 1980 veröffentlicht hatte - beinhaltet auch elf neue Gedichte, die sich durch hohe Intensität und Direktheit auszeichnen. Die meisten der neuen Texte setzen an Erfahrungen mit realen Objekten, Menschen und Plätzen an, doch Nostalgie wird immer durch das Wissen relativiert, daß Erinnerung selektiv und Wahrnehmung immer passiv ist ("The Turquoise", Der Türkis). Auch Melancholie und Trauer angesichts der Ohnmacht des Einzelnen sind Bestandteil dieser Lyrik (z.B. "People in Kansas, 1910", Menschen in Kansas, 1910). Die Düsterkeit und Dunkelheit in Ausdruck, Form und Inhalt einiger Gedichte stehen jedoch im Dienst von Selbstbestimmung und Freiheit.
Der 1992 erschienene Band "The Balcony Tree" (Der Balkon-Baum) behandelt eine große Palette von Gefühlen, die weniger kryptisch beschrieben werden als in den früheren Bänden. Wiederum geht es jedoch um die Trauer darüber, daß die Geschichte diejenigen Glaubensstrukturen zerstört, die erst durch sie entstehen kann. Das lyrische Ich agiert als subversive Kraft im Bereich der Imagination - als Koch, Engel oder Clown.
"Intimate Chronicles" (Intime Chroniken, 1996) versammelt einige Gedichte, die bereits in Zeitschriften, in dem Pamphlet "Some Dogs" (Einige Hunde, 1993) und als eigenständige Hefte, nämlich "Ballad of the Putrification" (Ballade von der Zersetzung, 1993) und "Fishing Boats at Assos" (Fischerboote bei Assos, 1994) veröffentlicht wurden. Thematische Schwerpunkte gliedern das Buch in drei Teile. Zunächst werden verschiedene Figuren vor dem Hintergrund der zerstörerischen Geschichte dargestellt. Der zweite Teil behandelt verschiedene Kunstwerke als zeitlose Epiphanien. Der dritte Teil schließlich widmet sich Figuren, die als Zeichen für Widerstand und Ausdauer angesichts von historischer oder alltäglicher Zerstörung stehen. Der Band lebt von den wechselnden Perspektiven und persönlichen Sichtweisen, in denen verschiedene historische Perioden beobachtet werden. An ihm sind die Charakteristika von Middletons Schreiben in nuce abzulesen. Sowohl die genaue formale Durchgestaltung und Organisation der Texte als auch die große stilistische Vielfalt legen Zeugnis ab für eine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit dem eigenen poetischen Schaffen. Wie der gesamten Arbeit Middletons liegt auch dieser Sammlung die Weigerung zugrunde, das Historische als Vergangenheit abzuhaken und sich den herrschenden Strömungen der Gegenwart anzupassen.


A Originalausgaben

"Poems". (Gedichte). London (Fortune Press) 1944.

"Nocturne in Eden: Poems". (Nokturne in Eden: Gedichte). London (Fortune Press) 1945.

"The Vision of the Drowned Man". (Die Vision des Ertrunkenen). Ditchling (Ditchling Press) ca. 1950.

"Torse 3: Poems 1949-1961". (Torso 3: Gedichte 1949-1961). [Enthält u.a.: "At Porthcothan" (In Porthcothan); "Male Torso" (Männlicher Torso); "Southern Electric Teddygirl" (Südliches Elektrisches Teddy-Mädchen); "A Bunch of Grapes" (Eine Weintraube); "Five Psalms of Common Man" (Fünf Psalme eines gewöhnlichen Menschen); "Seven Hunters" (Sieben Jäger); "Climbing a Pebble" (Besteigung eines Kiesels); "The Lake of Zürich" (Züricher See); "Art Machine" (Kunstmaschine); "Alba After Six Years" (Alba nach sechs Jahren); "Objects at Brampton Ash" (Gegenstände in Brampton Ash); "The Oystercatchers" (Die Austernfischer); "Glaucus" (Glaucus); "China Shop Vigil" (China Geschäft Vigil); "Metropolitan Song" (Metropolitanisches Lied); "Thinking of Hölderlin" (Gedanken an Hölderlin); "The Thousand Things" (Die tausend Dinge); "Yes, Mr. Brecht" (Ja, Herr Brecht); "Without Shoes" (Schuhlos); "Thirst" (Durst)]. London (Longman) 1962. New York (Harcourt Brace) 1962.

"Penguin Modern Poets 4". Zusammen mit David Holbrook und David Wevill. Harmondsworth (Penguin) 1963. [Enthält eine Auswahl aus "Torse 3: Poems 1949-1961"].

"The Metropolitans". (Die Metropoliten). Libretto. Kassel (Alkor) 1964.

"Nonsequences: Selfpoems". (Nonsequenzen: Selbstgedichte). [Enthält u.a.: "House in the Street of Doves" (Haus in der Straße der Tauben); "Old Bottles" (Alte Flaschen); "Disturbing the Tarantula" ("Die Tarantel aufgestört"); "Cabal of Cat and Mouse" (Kabale zwischen Katz und Maus); "Generations" (Generationen); "The Child at the Piano" (Das Kind am Klavier); "January 1919" (Januar 1919); "Navajo Children, Canyon de Chelly, Arizona" (Navajo Kinder, Canyon de Chelly, Arizona); "For a Junior School Poetry Book" (Für einen Grundschul-Gedichtband); "Octobers" (Oktober); "Amour Fou" (Amour Fou); "Dangers of Waking" (Gefahren des Wachens); "Itinerary for the Apparent Double" (Reisebeschreibung für den scheinbaren Doppelgänger); "An Englishman in Texas" (Ein Engländer in Texas); "Sketch of the Old Graveyard at Col de Castillon" (Entwurf von dem alten Kirchhof in Col de Castillion); "The Ancestors" (Die Vorfahren); "Lenau's Dream" (Lenaus Traum); "The Brixton Gardens" (Die Brixtoner Gärten); "In Praise of the Functionary" (Lob des Funktionärs); "Crossing" (Kreuzen); "Notable" (Bemerkenswert); "Antiquities" (Antiquitäten), "Old Man" (Alter Mann); "Looking South" (Nach Süden schauen); "Sanity" (Verstand); "Birth of Venus" (Geburt der Venus)]. London (Longman) 1965. New York (Norton) 1966.
"The Great Duck". Satire. (Die große Ente). Paris (o.V.) 1968.

"Der Taschenelefant: Satire". Berlin (Neue Rabenpresse) 1969.

"Our Flowers & Nice Bones". (Unsere Blumen und schönen Knochen). [Enthält u.a.: "Three Microzoic Nonsonnets" (Drei mikrozoische Nonsonette); "Avebury: the Temple" (Avebury: der Tempel); "Computer's Karl Marx" (Computers Karl Marx); "The Armadillos" (Die Armadille); "The Arrest of Pastor Paul Schneider" (Die Verhaftung des Pastors Paul Schneider); "Wire Spring" (Drahtfeder); "Pavlovic Variations" (Pavlovsche Variationen); "Victoriana" (Victoria-Anekdote); "Bonnard" (Bonnard); "The Children at Longboat Key" (Die Kinder auf Longboat Key); "The Measure" (Das Maß); "Shoreham Walk" (Shoreham Weg); "Cubaram" (Cubaram); "The Eagle" (Der Adler); "The Birth of the Smile" (Die Geburt des Lächelns); "The Find" (Der Fund); "Man on the Wall" (Mann auf der Mauer); "The Historian" (Der Historiker)]. London (Fulcrum Press) 1969.

"The Fossil Fish: 15 Micropoems". (Das Fischfossil: 15 Mikrogedichte). Providence (Burning Deck) 1970.

"Briefcase History: 9 Poems". (Aktentaschen-Geschichte: 9 Gedichte). [Enthält: "In Balthasar's Village" ("In Balthasars Dorf"); "A Cart with Apples" ("Ein Karren voller Äpfel"); "Roya Valley" ("RoyaValley"); "Cantabria" (Cantabria); "Petrarch's Country" ("Petrarcas Land"); "Holocaust" (Holocaust); "Snake Rock" ("Snake Rock"); "Holy Cow" (Heilige Kuh); "Briefcase History" (Aktentaschen-Geschichte)]. Providence (Burning Deck) 1972.

"Fractions for Another Telemachus". (Fragmente für einen anderen Telemachus). Gedicht. Knotting (Sceptre Press) 1974.

"Wild Horse". (Wildpferd). Gedicht. Knotting (Sceptre Press) 1975.

"The Lonely Suppers of W. V. Balloon". Gedichte. (Die einsamen Mahle des W. V. Balloon). [Enthält u.a. Gedichte aus "Briefcase History: 9 Poems" und: "The Fossil Fish" (Das Fischfossil); "Opoponax" (Opoponax); "Old Woman at the County Dump" (Alte Frau auf der Bezirks-Müllkippe); "The Pogroms of Sebastopol" (Die Pogrome von Sebastopol); "Autobiography" (Autobiographie); "Mandelstam to Gumilev 1920" (Mandelstam an Gumilev 1920); "Le nu provençal" (Le nu provençal); "Idiocy of Rural Life" (Idiotie des Landlebens); "A Window" ("Ein Fenster"); "The Ulcinj Postcards" (Die Ulcinj Postkarten); "Chanel Always Now" ("Chanel immer jetzt"); "Nine Biplanes" (Neun Doppeldecker); "Luberon Story" ("Luberongeschichte"); "Avocado Plant" (Avocadopflanze); "Mérindol Interior 1970" (Mérindol Interior 1970); "Untitled" ("Ohne Titel"); "The Gloves" (Die Handschuhe); "The Lonely Suppers of W. V. Balloon" (Die einsamen Mahle des W. V. Balloon); "A Drive in the Country/ Henri Toulouse-Lautrec" (Eine Fahrt über's Land/ Henri Toulouse-Lautrec); "Oval History Poem" (Ovale-Geschichte-Gedicht); "Third Generation" (Dritte Generation); "Transit" (Transit)]. Cheadle (Carcanet) 1975. Boston (Godine) 1975.

"Razzmatazz". (Tumult). Gedicht. Austin (W. Thomas Taylor) 1976.

"Eight Elementary Inventions". (Acht elementare Erfindungen). Gedichte. Knotting (Sceptre Press) 1977.

"Pataxanadu and Other Prose". (Pataxanadu und andere Prosa). [Enthält u.a.: "Pataxanadu 1-5" (Pataxanadu 1-5); "Adelaide's Dream" (Adelaides Traum); "The Spaniards Arrive in Shanghai" ("Die Spanier landen in Shanghai"); "The Great Duck" (Die große Ente); "The Pocket Elephants" ("Der Taschenelefant"); "Getting Grandmother to the Market" ("Wie wir Großmutter zum Markt bringen"); "Ignorance" (Ignoranz); "A Certain Silence" (Eine gewisse Stille); "The Fire" (Das Feuer)]. Manchester (Carcanet) 1977.

"Anasphere: Le Torse Antique". (Anasphäre: Le Torse Antique). Gedicht. Providence (Burning Deck) 1978.

"Bolshevism in Art and Other Expository Writings". (Bolschewismus in der Kunst und andere erklärende Schriften). Essays. Manchester (Carcanet) 1978. Atlantic Highlands/ N.J. (Humanities Press) 1980.

"Carminalenia". (Carminalenia). Gedichte. [Enthält u.a.: "The World First" (Die Welt zuerst); "A Small Bronze of Licinius I" (Eine kleine Bronze des Licinius I); "Night Blooming Cereus" (Nachtblühender Cereus); "Ginestra" (Ginestra); "Hearing Elgar Again" (Beim Wiederhören von Elgar); "The Palace of Thunder" (Der Donnerpalast); "Wild Horse" ("Wildpferd"); "Cement Lily Fantomastikon" (Zementlilie Fantomastikon); "How to Listen to Birds" (Wie man Vögeln zuhört); "In the Secret House" ("Im geheimen Haus"); "Caromb" (Caromb); "Vaucluse" (Vaucluse); "Snail on the Doorstep" (Schnecke auf der Türstufe); "The Prose of Walking Back to China" (Prosa darüber, nach China zurückzulaufen); "Lens" (Linse); "History of Not Quite Everything" (Nicht ganz vollständige Geschichte); "Celeste" (Himmelblau); "Discourse on Legend" (Diskurs über Legenden); "A Dark Line" (Eine dunkle Linie); "Pollen" (Pollen); "Salami in Romanshorn" (Salami in Romanshorn); "The Winter Poplars" (Die Winterpappeln); "Or Else" (Oder sonst); "Ibeji" (Ibeji); "History of Nothing" (Geschichte von Nichts)]. Manchester (Carcanet) 1980.

"Woden Dog". (Holzhund). Providence (Burning Deck) 1981. Berlin (Tyslander Press) 1986.

"The Troubled Sleep of America: 40 Collages". (Der unruhige Schlaf Amerikas: 40 Collagen). Austin (Laguna Gloria Art Museum) 1982.

"111 Poems". (111 Gedichte). [Enthält Gedichte aus "Torse 3" (Torso 3); "Nonsequences" (Nonsequenzen); "Our Flowers & Nice Bones" (Unsere Blumen uns schönen Knochen); "The Lonely Suppers of W. V. Balloon" (Die einsamen Mahle des W. V. Balloon); "Carminalenia" (Carminalenia) sowie die neuen Gedichte "Old Water Jar" (Alter Wasserkrug); "The Turquoise" (Der Türkis); "People in Kansas, 1910" (Menschen in Kansas, 1910); "A Road that is One in Many" (Eine Straße von vielen); "Pinyon Incense" (Piniengeruch); "An Old Wine Press" (Alte Weinpresse); "Irish" (Irisch); "After a Noise in the Street" (Nach dem Krach auf der Straße); "Cabaret de la Canne, January 1855" ("Cabaret de la Canne, Januar 1855"); "Far-From-Home Poem" (Weit-weg-von-zuhause Gedicht); "Rilke's Feet" (Rilkes Füße)]. Manchester (Carcanet) 1983. New York (Carcanet) 1984.

"The Pursuit of the Kingfisher: Essays". (Die Jagd nach dem Eisvogel: Essays). Manchester (Carcanet) 1983. New York (Carcanet) 1984.

"Serpentine". (Serpentine). Gedichte. [Enthält: "Ammonite" (Ammonit); "Wittenbergplatz" (Wittenbergplatz); "Moon Climbing" ("Mond hinauf"); "Neutron" (Neutron); "Ingestion" (Einnahme); "Lavender" (Lavendel); "The Chicken Eater" (Der Hühneresser); "Momnpopville" (Momnpopville); "Commodus" (Commodus); "Fruit Bringers" (Früchtebringer); "Our Troubled Speaker" (Unser beunruhigter Sprecher); "Photo Blue Sky" (Photoblauer Himmel); "If He Would Tell Us" (Wenn er es uns erzählen würde); "The Green Heron" (Der grüne Reiher); "The Chant of Insects" (Insektengesang); "Abraham Lingered" (Abraham zögerte); "Notamale" (Notamale); "Limits" (Grenzen); "Seafog" (Seenebel); "Grape" (Weintraube)]. London (Oasis) 1985.

"Two Horse Wagon Going By". (Zwei vorüberziehende Pferdewagen). [Enthält u.a.: "Pink Slippers" ("Rosa Pantoffeln"); "Another Village" (Ein weiteres Dorf); "The Shape" ("Die Gestalt"); "Relic" ("Relikt); "Jacob's Hat" (Jakobs Hut); "Iphigenia ingénue" (Iphigenia ingénue); "In Anatolia" (In Anatolien); "Quasizeros" (Quasinullen); "A Pinwheel" (Eine Spielzeugwindmühle); "A Different Banquo" (Ein anderer Banquo); "Richard Lion Heart" (Richard Löwenherz); "Lento" (Lento); "The Mol" ("Der Mol"); "Coral Snake" (Korallenschlange); "A Forge in Darkness" ("Eine Schmiede im Dunkeln")]. Manchester (Carcanet) 1986.

"Selected Writings". (Ausgewählte Schriften). [Enthält Gedichte aus allen bisherigen Sammlungen sowie Auszüge aus "The Pursuit of the Kingfisher: Essays", 1984). Manchester, London (Carcanet) 1989. London (Paladin) 1989.

"The Balcony Tree". (Der Balkon-Baum). Gedichte. [Enthält u.a.: "An Ideologist" (Ein Ideologist); "Bird Watching" (Vögel beobachten); "Still Small Voice" (Ruhige kleine Stimme); "Michèle's Rooms" (Michèles Zimmer); "A Revenant" (Heimkehrer); "La Morena" (La Morena); "Ballad of Charlotte" (Ballade von Charlotte); "The Balcony Tree" (Der Balkon-Baum); "Saloon with Birds" (Salon mit Vögeln); "Another Almost" (Ein weiteres Beinahe); "Lampoon" (Schmähschrift); "A Huapango for Junius Avitus" (Ein Huapango für Junius Avitus)]. Manchester (Carcanet) 1992.

"Some Dogs". (Einige Hunde). Gedichte. [Enthält: "Some Dogs" (Einige Hunde); "A Very Thin Man" (Ein sehr dünner Mann); "Along a Leaf" (Entlang eines Blattes); "Naked Truths" (Nackte Wahrheiten); "The Western Widows" (Die westlichen Witwen); "The Parrot House on Bruton Street, 1830" (Das Papageienhaus in der Bruton Street, 1830); "More and More" (Mehr und mehr); "Oaks Near Columbus" (Eichen nahe Columbus); "Skaters in the Luxembourg Gardens, 1909" (Schlittschuhläufer in den Luxembourg Gärten, 1909)]. London (Enitharmon Pamphlets) 1993.

"Ballad of the Putrefaction". (Ballade von der Zersetzung). Hull (Carnivorous Arpeggio Press) 1993.

"Fishing Boats at Assos". (Fischerboote bei Assos). Gedicht. Hull (Carnivorous Arpeggio Press) 1994.

"On a Photograph of Chekhov". (Über eine Photographie von Tschechow). Gedicht. Hull (Carnivorous Arpeggio) 1995.

"Intimate Chronicles". (Intime Chroniken). [Enthält u.a. Gedichte aus "Some Dogs", 1993, und die neuen Gedichte "Silent Picture" (Schweigendes Bild); "The Cow Heaven" (Der Kuhhimmel); "Objects Mistaken in Music" (Mißverstandene Objekte in der Musik); "The Old Tour Guide - His Interpreter" (Der alte Touristenführer - sein Interpret); "Zagreb 1926" (Zagreb 1926); "Musa Paradisiaca" (Musa Paradisiaca); "Duna Wine" (Duna Wein)]. Manchester (Carcanet) 1996.


B Übersetzungen

"Wie wir Großmutter zum Markt bringen". (Anthologie der Gedichte). [Enthält: "Snake Rock" ("Snake Rock"); "Ein Karren voller Äpfel" ("A Cart with Apples"); "Petrarcas Land" ("Petrarch's Country"); "Die Spanier landen in Shanghai" ("The Spaniards Arrive in Shanghai"); "Weißer Vorhang offenes Fenster" ("White Curtain Open Window"); "Die Tarantel aufgestört" ("Disturbing the Tarantula"); "Die Aufführung" ("The Performance"); "In Balthasars Dorf" ("In Balthasar's Village"); "Der Zyklop" ("The Cyclops"); "Ohne Titel" ("Untitled"); "Androche" ("Androche"); "Roya Valley" ("Roya Valley"); "Chanel immer jetzt" ("Chanel Always Now"); "Wie wir Großmutter zum Markt bringen" ("Getting Grandmother to the Market"); "Luberongeschichte" ("Luberon Story")]. Übersetzung: Ernst Jandl, Günter Kunert, Christopher Middleton. Stierstadt i. Taunus (Eremiten-Presse) 1970.

"13 Gedichte". (Anthologie). [Enthält u.a.: "Ein Fenster" ("A Window"); "Im geheimen Haus" ("In the Secret House"); "Mond hinauf" ("Moon Climbing"); "Rosa Pantoffeln" ("Pink Slippers"); "Die Gestalt" ("The Shape"); "Relikt" ("Relic"); "Der Mol" ("The Mol"); "Cabaret de la Canne, Januar 1855" ("Cabaret de la Canne, January 1855"); "Jerusalem, Jerusalem" ("Jerusalem, Jerusalem"); "Eine Schmiede im Dunkeln" ("A Forge in Darkness")]. Übersetzung: Wolfgang Schlenker. In: Akzente. 1997. H. 3. S. 197-212.


D Sekundärliteratur

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