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10 Gedichte von Robert

aia angespült

kirchen gurgeln vom zerschellten tag
wellen klatschen um den kopf
ich sinke grundlos wie ich lag
licht streunert um den wasserschopf
seine taufe ist versinken
der himmel blubbert in den ohren
in denen mädchenlieder choren
besser als kehrt zu machen ist ertrinken

statt planken nun seegras und blasentang
die augen den krebsen ein fraß
delfine echoen den sirenengesang
ertrunkene schreie schaben muscheln zu glas
ein knarzendes steingrab dieser strand
kiesel in der dünung rund getunkt
seemannsgarn in dem ich mich fand
die widersee vereitelt richtung

der sonnendorn kreist leere ein
hinterm himmelsauge glüht kein hirn
schritte aus dem koniferenhain
rascheln näher auf staubigem firn
frauenfinger die labsal auf hitzebläschen reiben
kosen den rücken der tiefseegesonnt
verwischen den mir geretteten horizont
ithaka kann mir gestohlen bleiben


einfach hin

ganz ohr sein
nicht sprechen
querfeldein
ein radebrechen

das licht atmet aus
muscheln nuscheln
rauschender applaus
büsche tuscheln

hast du töne? einfach hören
einfach hin
legen wir uns unter föhren
und horchen auf doppelsinn

schafe mahlen schlaf
entlang der schluckenden küste
wind bläst sich schlaff
wasser gibt feuchte küsse

still halten wir dagegen
was wir haben macht
überlegen
ist die nacht


am loch

abgestiegen unter den wolken
schöpft die luft aus dem vollen
aber wir begreifen nicht
das wasser das wir uns reichen
in der ebene endlich
breite bergrücken
unter gespannten himmeln
der schon dünnen jahreszeit
tragen uns über uns hinaus

wir sind uns weit
so hoch eingehüllt
auf den kruppen
von den fahnen der farne
auf denen die berge uns betten

die blößen nicht löschen
hier wird alles verziehen
liegen die samen querbeet
wir sind obenauf
unwiderruflich zeitweilig


maieutik

sie nahm mir vor diesen tag zu verlassen
durch die hintertür lugten die felder
ihre masern
bodenlos
die gelegenheiten gähnten
unerhört offen
sie lauschte ihrem ruf
schritt über die schwelle
dem duft des unmöglichen nach

die spärliche brise
band sie um die taille
und bestand
den aufwind spielend

blondwehend die quasten
die rispen ein heben
gekämmtes grannengelb

sie nahm das garn auf
flocht die levkojen
flachste mit dem weiderich
neckte mädesüß
flüsterte männertreu

unterwiesen schritt sie den wonnemond ab
versuchte den nachtschatten die tollkirschen
ließ sich passieren
streifte die jungen schäfte des mais
ließ stehen
unbeherrscht
die zeit ablaufen
den atem berauben


gedicht stärke 7

gewetzte ledersofas reiben sich spröde mit ihrer aufgesplissenen haut an deiner
mich nervt der schmu aus stumpfen lautsprechern und guinness auf peanuts
also den parka über und raus in den kurrenden wind

der abschlag unter dem abgewrackten himmel
geknickt unter dem redder verstruwelte ballen und garben
an denen sich das wütende tosen bricht zersplittert zu sätzen

mir knallen zoten um den kopf und der wind spielt scrabble mit mastschnüren
die zuneigung dieser gegend am ende von allem verlor sich vor langem
in dem schmatzenden schnalzen der salzigen küsse zu denen luft an land gerinnt

die see aufgeschäumt mit zitaten birgt jede gischt eine geschichte
schauermänner verladen den abschied ihre shanties schluckt der sturm
mit ihrem geteerten atem kehrt er um und brüllt mich an

halts maul schreie ich zurück man muß sich behaupten um es besser zu wissen
als dieses vom sturm verbogene land doch er pfeifft mich aus
verschaukelt mich gröhlt seemannslieder hat mich schon abgeschrieben

aber ich schreibe zurück ein gedicht stärke 7


glasglück

vorm sommerverstaubten fensterglas
spielen vögel stille post

du nestelst am bh
deckst mit deinem rücken ab
dein nachtnacktes spiegelbild
suchst deine socke
der versuchung unschuldig

schlau stelle ich mich schlafend
abgeschattet von reiz und tag
drehe ich mich in die warme
beuge deines kopfeindrucks im kissen
und sehe dir alles nach

die katze lugt hervor hinter einer
welt auf die es keinen reim gibt
schnurrt den staubmäusen zu
der jagd auf fleisch müde

das türklicken zärtlich
wenn du gehst
kaffee aufzusetzen

aus der küche dein pfeifen
läßt die vögel gänzlich verstummen
den morgenhimmel vor neid erblassen
pro reo

abgeschlossen waren wir alt genug dem südwind adieu zu sagen
wir zogen in häuser ließen die straßen sich ohne uns verlaufen
bauten gemeinsamkeiten an hievten uns auf die hohe kante
bastelten umstände und ließen abenteuer ins gras beißen

staubsauger murmeln wie früher die bäche
dampf aus dem eisen taucht das bügelbrett in frühe nebel
wann immer wir wollen
den mond überlassen wir schnulzen
stopfen dem fernweh mit fernsehn das gähnende maul

wirkliche wege sind alle ausgetreten
unsere straßen jedoch sind aus papier und so endlos wie ungeduldig
können es kaum erwarten endlich das licht der dinge in dunkelheit zu spiegeln
schatten aus der sprache zu schlagen
das alphabeth huckepack zu nehmen

während die ankläger draußen so taten als würden sie wandern
machten wir drinnen ein tempo
das unverblümtes sprechen ließ
ungeahntes ins karut schießen
bewohnten wir die geschenkte stunde
suchten das wort im raum
das geschichten ein zuhause gibt

wünsche sind unruhig und häuten was sie schaffen
befriedigungen so nackt wie verwaist an der oberhand
uns ist die zweisamkeit genug wir wollen die welt nicht mehr
wandten uns ab – und alles verwandelte sich zu stein


salz

vom stapel direkt aufgelaufen
gestrandet auf dem salzstock
unter tage gepökelt so haltbar wie zäh

doch diesen mittag hat die ostsee gemacht
hat ihren horizont einfach umgestülpt
spiegelt das meer überall
ein dicker pott winkt
mit seiner rauchfahne

am saum
zergehen fade tage
auf der zunge
zerrinnen kristalle zwischen dem schmelz
das meer kalt vor glück gegen der haut

frauen und felder sind braun
vor dem wind zittert die sonne
der himmel
blufft mit leerem blatt
wir tragen schaumkronen
wagen den absprung
ein schlepper sieht zu
wie wir den boden unter
den füßen verlieren
den wellen gewogen

wir dümpeln zufrieden
probieren den drachenflug
halten
uns an händen
und lassen die wolken steigen
die farben los
die leinen hoch
den sommer hin und her ziehen


sternkind

die angst ist ungerufen zu erkalten
ein stern zu werden neben alten
nicht sterben ist hier oben schnuppe
als kalter stein am firmament zu backen
im seelenelosen schlaf der puppe

ich glüh den himmel aufzugeben
dies eis des lebens ohne leben
sterne strahlen nur für sich
ein milchschrei kann mein all nur knacken
plötzlich wie ein sonnenstich

der sturz entlang des riß‘ im zelt
hinab solang der schrei noch gellt
schon gibt es erste Worte die mich nennen
ein klaps auf meinen siebten sinn
ich höre atmen wer ich bin


schneelied

schnee schenke ich dir
weil er kein versprechen hält
und nur dem tauen traut

du schenkst mir
was eisig aus der trauer fällt
und weiße wälle baut

mit bloßen fingern fangen wir
das rieseln überm feld
das uns das haar ergraut