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sh:z vom 17.11.2007


Von Andrea Paluch

Ich habe mal gehört, wenn es einen Staubsaugertrecker gäbe, würden die Männer diesen Part im Haushalt unaufgefordert übernehmen. Ähnlich scheint es mir manchmal mit der Essenszubereitung zu sein. Ich kenne mindestens einen Mann, der mit Appetit alles isst, was man ihm vorsetzt – und das ist löblich und ignorant in einem. Löblich, weil die Köchin nie wirklich etwas falsch machen kann, ignorant, weil besondere Mühe eben auch kaum honoriert wird.
Mit der gleichen Haltung kocht dieser Mann. Wenn es denn unbedingt sein muss. Er macht es nie besonders aufwendig und ohne Fantasie, die er sonst in einem hohen Maße aufzubringen in der Lage ist. Dann gibt es Nudeln mit Ketchup oder Eierkuchen mit Apfelmus, Milchreis, Fischstäbchen, tiefgefrorenes Gemüse und Pommes aus dem Backofen. Wenn es hochkommt, kocht sogar schnell eine amerikanische Fastfood-Kette, über deren Schweinefraß er sich sonst auch mal negativ äußert.
Nur im Sommer zeigt er größeren Ehrgeiz. Und wenn ich richtig sehe und die Rauchschwaden aus den Gärten der Nachbarn richtig deute, in Übereinstimmung mit anderen seines Geschlechts. Im Sommer grillt er.
Nun ist Grillen sicher keine kulinarische Herausforderung. Die Würstchen sind fertig eingeschweißt und das Fleisch vorgewürzt. Man muss eigentlich nur Plastik richtig aufschneiden und ansonsten aufpassen, dass nichts anbrennt. Das Aufwendigste sind noch die Salate und folgerichtig bleiben sie meist an den Frauen hängen. Dennoch, obwohl die Fleischzubereitung niedrigschwellig genug ist, sozusagen barrierefreies Kochen für Männer, ist die Bereitschaft, mit der sich der Zubereitung des toten Tieres auf dem Rost gewidmet wird, nicht wirklich erklärlich. Da stehen die Männer im Rauch, schwitzen über den glühenden Kohlen, lassen sich von Fett bespritzen und fischen die Mini-Würstchen aus den Grillrosten, wenn sie hindurch gefallen sind. Was geht im Mann am Grill vor?
Vermutlich ist genau die rauchige, stinkige, irgendwie urige, um nicht zu sagen archaische Atmosphäre bei der Zubereitung des Fleisches der Reiz für Männer beim Grillen. Wenn das Fett spritzt, bricht der Neandertaler in ihnen durch. Das Gemüse lassen sie den Frauen, aber einen blutigen Lappen Bauchfleisch, den legen sie gern selbst auf den Grill, wie seit der Zeit der Mammutjäger Millionen vor ihnen. Grillen hat etwas mit männlicher Potenz zu tun. Nun weiß ich sicher, dass es keine genetische Disposition in dieser Richtung gibt. Aber es gibt wohl so etwas wie eine Selbstsuggestion, was unter männlich zu verstehen ist. Eine eingebildete Männlichkeit, die irgendwo zwischen Westernromantik und Raubrittertum liegt, zwischen Völlerei und Verhungern. Vermutlich fühlen sich Männer seit Jahrtausenden gleich, wenn sie ein Kotelett wenden und die Zivilisationsgeschichte ist in dieser Hinsicht völlig umsonst gewesen. Mir soll es Recht sein. Ich stehe ungern im Rauch, ich stinke nicht gern, doch esse ich gern zum Salat ab und zu ein Stückchen Fleisch.